Die Heilige Hochzeit

Eine heilige Hochzeit markiert in vielen Kulturen der Erde den Beginn des Mythos. „Uranos war der erste Herr der Welt. Er heiratete Gaia“ – so beginnt Apollodorus im 3. Jahrhundert seine Erzählung der griechischen Mythen. Der Himmel vermählt sich der Erde, die ihm viele Kinder schenkt; und Zeus tritt erst in der folgenden Generation auf den Plan, heiratet in einem weiteren „hieros gamos“ (griechisch für „heilige Hochzeit“) seine Hera und wird zum Vater des Götterhimmels. Doch schon weitaus früher, bei den Sumerern etwa, feierte man Hochzeiten zwischen Göttern nach. Yin und Yang tauchen erstmals im 8. Jahrhundert vor Christus auf; sie sind bei den Chinesen die beiden Prinzipien des Lebens: das Empfangende (Yin, eigentlich das „Trübe“) und das Wirkende (Yang, das „im Wind flatternde Banner“). Im Alten Testament wird Gott als Bräutigam, Jerusalem als die Braut bezeichnet. Und die Gnostiker lehrten, dass alles durch Zeugung entstanden sei.

 

Der rumänische Religionswissenschaftler Mircea Eliade fasste diese Ergebnisse schön zusammen. Erst auf der Folie des heiligen Geschehens kann sich das alltägliche Leben entfalten. Die göttliche Heirat ist ewig gegenwärtig, „in illo tempore“, und sie erst hat die sexuelle Vereinigung der Menschen möglich gemacht. Dank der göttlichen Wesen ist alles entstanden. Jede Verehelichung ist eine Erinnerung an die früheste Menschheitsgeschichte und muss gebührend gefeiert werden. Eliade schreibt: „Im Fest findet man voll und ganz die heilige Dimension des Lebens wieder, man vollzieht die menschliche Existenz als göttliche Schöpfung nach.“